background-image

Ihr Weg zur Sammlung

Ihr Weg zur Sammlung

ATLAS. HOW TO CARRY THE WORLD ON ONE'S BACK?
Eine Ausstellung des Centre D'Art Reina Sofia, Madrid in Kooperation mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe und der Sammlung Falckenberg.

Die Deichtorhallen Hamburg zeigen vom 1. Oktober bis 27. November 2011 in der Sammlung Falckenberg (Phoenix-Hallen, Hamburg-Harburg) die interdisziplinäre Ausstellung »ATLAS. How to Carry the World on One's Back?«, organisiert vom Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe.

Ausgehend vom Bilderatlas »Mnemosyne« von Aby Warburg (1866–1929), spannt die von dem französischen Philosophen und Kunsthistoriker Georges Didi-Huberman kuratierte Ausstellung »Atlas. How to Carry the World on One’s Back?« den Bogen quer durch das 20. bis ins 21. Jahrhundert und untersucht künstlerische Strategien und Praktiken, die sich auf den großen Hamburger Kunsttheoretiker und Bildwissenschaftler avant la lettre - Aby Warburg - zurückführen lassen. Dabei stehen nicht das vollendete Werk, sondern die künstlerischen Arbeitsweisen und Darstellungsformen im Vordergrund der Ausstellung, die kreative Prozesse sichtbar machen will. Wie können wir die Welt betrachten, ohne den herkömmlichen Wissensstandards zu folgen?

Die mythologische Figur des Atlas, der den Göttern des Olymps ihre Macht streitig machte und zur Strafe das Himmelsgewölbe am westlichsten Punkt der damals bekannten Welt auf seinen Schultern tragen musste, ist die Personifizierung des Atlasgebirges und gilt als Ahnherr der Astronomen und Geographen.

Zugleich steht der Begriff »Atlas« für die Visualisierung von Wissen, sei es in Form einer Sammlung geographischer Karten oder als Bildarchiv, welches auf systematische oder assoziative Weise eine Fülle von Themen und Zusammenhängen veranschaulichen will. Im 18. Jahrhundert avancierte der Bildatlas zu einem eigenständigen wissenschaftlichen Genre, welches sich im 19. Und 20. Jahrhundert in den verschiedenen Disziplinen der Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften - der Geographie, der Geschichte und Völkerkunde, der Baukunst und den Schönen Künsten, der Technologie, Mathematik und Astrologie, der Botanik und der Medizin - immer mehr ausdifferenzierte.

In der Bildenden Kunst schließlich dient die Sammlung von thematischen oder formalen Vorlagen als Bilderfundus und Inspirationsquelle, und die Bild-Montage und die Collage sind zentrale künstlerische Methoden, um die Vielfalt und Komplexität der Welt zu erfassen, darzustellen und zu untersuchen.

Aby Warburg hat mit seinem zwischen 1924 und 1929 zusammengestellte, unvollendet gebliebenen Bilderatlas »Mnemosyne« in der Art der Auseinandersetzung mit Bildern völlig neue Wege beschritten, indem er sich über die herkömmlichen kunsthistorischen Stil-Unterteilungen und Wissensstandards hinwegsetzte und radikal neue Fragestellungen in die bestehende Auffassung von Kunst eingeführt hat.

Der Bilderatlas »Mnemosyne« ist gleichermaßen paradoxes Meisterwerk und methodisches Manifest und stellt für Kunsthistoriker und zeitgenössische Künstler ein beispiellos faszinierendes Referenzprojekt dar. Künstler wenden sich vornehmlich Dingen zu, die sich außerhalb der gewöhnlichen Klassifizierungen befinden, und erschließen anhand unverhoffter Wahlverwandtschaften einen neuen Wissenstypus, der uns die Augen für bislang unbemerkte Perspektiven auf die Welt und unsere eigene Anschauung öffnet.

Neben Reproduktionen von Bildertafeln aus dem »Mnemosyne« -Atlas von Aby Warburg werden Zeichnungen, Gemälde, Fotografien, Filme und Künstlerbücher u.a. von Francisco de Goya, El Lissitzky, Man Ray, August Sander, Brassaï, Josef Albers, Paul Klee, Moholy-Nagy, Karl Blossfeldt, Erwin Blumenfeld, Guy Debord, Sol Lewitt, Mel Bochner, Robert Filliou, George Brecht, Marcel Broodthaers, Meyer Schapiro, Christian Boltanski, Hans Haacke, Alighiero Boetti, Gerhard Richter, Bernd und Hilla Becher, Hans-Peter Feldmann, Fischli und Weiss, Roni Horn, Susan Hiller, Matt Mullican und Harun Farocki zu sehen sein. In der Sammlung Falckenberg wird die Ausstellung u.a. durch Arbeiten von Hanne Darboven, Vito Acconci, Walker Evans, Joseph Beuys, Arthur Koepcke, Öyvind Fahlström, Bernhard Johannes Blume, John Baldessari, Victor Burgin und Thomas Ruff ergänzt.
7b051ba522a5232260e58f80bc5e5d09
b9c60ca749297d58e1ba7d6a458958ed
5eff0c7b9de22ad48518271562724b83
a313f1544740c62be6dbfe0120e08598
ba0170ffb599a37ac06f42d2071ea025
db2fdd4e08f0cc402994e065ba319f17
5fd0a3e26848d9f2991e13a1620949a7
Fotos: Henning Rogge / Deichtorhallen